Ausbildungsverlauf

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Dann folgt eine zweijährige Ausbildung. Im ersten Jahr sind die Mitarbeitenden noch nicht am Telefon eingesetzt. In diesem Jahr werden die Grundlagen einer guten Beratungsarbeit vermittelt. Dazu gehört es, sich ganz auf die innere Welt der Ratsuchenden einstellen zu können und zu lernen, die Welt gewissermaßen durch die Augen des anderen zu sehen. Bedingungslose Wertschätzung und das richtige Maß, sich mit den eigenen Wahrnehmungen selbst ins Gespräch einzubringen, sind weitere wichtige Faktoren. Als Grundlage dient uns die person- zentrierte Beratung nach Carl Rogers (nach den Richtlinien der Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächsführung und Psychotherapie – gwg), die manchmal durch Elemente aus anderen Therapieschulen ergänzt wird.

 Im ersten Ausbildungsjahr arbeiten die neuen Mitarbeitenden dazu fast nur an der eigenen Geschichte und beraten sich gegenseitig. Dabei kommen oft auch schwierige Punkte aus der eigenen Biographie zur Sprache. Durch die Erfahrung, dass eigene schmerzhafte Erlebnisse in der Ausbildungsgruppe gut aufgenommen und getragen werden, lernen die Mitarbeitenden, wie gut es tut, sich etwas von der Seele zu reden. Sie gewinnen so ein tiefes eigenes Verständnis von der Beratungsarbeit. Die Ausbildung im ersten Jahr umfasst etwa 160 Stunden und verteilt sich auf einige Wochenenden und die wöchentlichen Kursabende. Hinzu kommen Treffen in Kleingruppen und entsprechendes Literaturstudium.
Im zweiten Ausbildungsjahr beginnen die neuen Mitarbeitenden mit dem Dienst am Telefon und haben zusätzlich alle zwei Wochen Supervision und weitere Ausbildung. In diesem zweiten Jahr werden in der Theorie und am praktischen Erleben eine ganze Reihe von Themen bearbeitet, die für die Beratungsarbeit am Telefon wichtig sind. Dazu gehören etwa solche Themen wie Suizid, Sucht, Depression, Krisen, Psychosen und häusliche Gewalt. Auch der Umgang mit religiösen Fragestellungen spielt in der Ausbildung eine wichtige Rolle. Immer wieder quälen sich  Anrufende mit Themen wie Schuld und Vergebung oder dem tieferen Sinn ihres Leidens oder sie haben andere, eher spirituelle Fragen. Ein weiteres großes Thema in der Ausbildung sind die vielen einsamen, oft psychisch erkrankten Menschen, die nicht im eigentlichen Sinn Beratung, sondern vielmehr eine gute Begleitung brauchen. Solche Anrufer und Anruferinnen melden sich gelegentlich mehrmals in der Woche und sind für die Mitarbeitenden oft anstrengend, weil es in diesen Gesprächen wenig Entwicklung gibt und die Anrufenden manchmal in ihren inneren Welten auch schwer zu verstehen sind.
Am Ende der zweijährigen Ausbildungszeit haben alle Mitarbeitenden rund 300 Stunden Unterricht gehabt und verfügen über ein sehr gutes beraterisches Wissen und Können. Das brauchen sie auch, denn bei der TelefonSeelsorge gibt es  - anders als bei anderen Beratungseinrichtungen- ja keine Einschränkung der Themen, zu denen sie arbeitet.